dies & das

Pflege … der Dauerbrenner

Die Pflegekräfte haben seit Jahren, ach was seit Jahrzehnten auf die Arbeitsbedingungen und die schlechte Bezahlung hingewiesen. Wie dringend Veränderungen nötig sind. Die Gesellschaft und die Politik hörte weg, statt dessen wurde die Aufopferungsbereitschaft der Pflegekräfte immer weiter und weiter ausgenutzt. Ja, dann kam die Pandemie und damit Aufmerksamkeit. Ein paar Euro Bonus (aber nicht für alle und jeden) und gaaaannnz viel Applaus von den Balkonen (denn der war steuerfrei, kostete nichts und man konnte sein Gewissen beruhigen) und natürlich nicht zu vergessen die Vielzahl an total unnötigen, überflüssigen und peinlichen Geschenken (Wurst, Lavendel, Klopapier etc.). Das war dann aber auch wieder genug und die Pflege sollte wieder an die Arbeit, denn die zweite Welle kam (völlig überraschend, obwohl auch die Ärzte und Pflege darauf hingewiesen hatten im Vorfeld).Überrollt von zig Verordnungen, die umgesetzt werden mussten, darunter Hygienekonzepte, Testungen, der Ausfall von Kollegen, Todesfälle innerhalb der Pflege. Wer ist für die Pflege denn da, wenn es um Erschöpfung, Burnout, Angst vor Ansteckung oder dramatische Todesfälle geht? Die Pflegekräfte bekommt jeden Tag die Ausmaße dieses privatisierten und auf Kosten der Pflege totgesparten Gesundheitssystems zu spüren in all ihrer Pracht, die sich nur ein „Privatier“ ausdenken kann. Man stelle sich den Aufschrei vor, wenn man den Privatpersonen vorschreiben würde, dass es pro Tag nur noch einen Waschlappen und ein Handtuch gibt. Oder das man zu viele Bettlaken verbraucht und diese nun unter Verschluss kommen und rationalisiert werden gegen Unterschrift. Man muss am Tag zigmal auf Toilette, kann es aber nur mit Hilfe, also geht es mit dem Personal nur zweimal am Vormittag und zweimal am Nachmittag, in der Nacht kann man ja in die Einlage urinieren, sofern auch diese nicht zu verschwenderisch verwendet wird und man Lust hat stundenlang dann darin zu liegen. Man denkt es ist ausgedacht, aber in manchen Pflegeeinrichtungen an der Tagesordnung und mittendrin die Pflege, die versucht die Menschlichkeit nicht vollends sterben zu lassen. Alle Parteien überbieten sich im Moment. Sei es über die Höhe des Gehalts, einen neuen Boni, mehr Pflegekräfte, mehr Hilfskräfte, weniger Dokumentation. Aber wer glaubt es ihnen denn? Dieses Jahr ist nicht nur in vielen Ländern eine Landtagswahl, sondern auch die Bundestagswahl. Da müssen Wählerklientel angesprochen werden und die Pflege bietet sich jetzt dafür an. Alles Nebelkerzen um vom eigentlichen Problem abzulenken: unser Gesundheitssystem in seiner jetzigen Form verursacht diesen Pflegenotstand seit Jahrzehnten. Von der Politik gewollt und von der Gesellschaft akzeptiert! Unser Gesundheitsminister meinte zu Beginn der Pandemie, man müsste nach Corona noch sehr viel verzeihen. Ich sehe das nicht so, denn mit verzeihen hat es nichts zu tun. Die Gesellschaft und Politik steht einfach tief in der Schuld der Pflegekräfte. Kein Verzeihen, in der Schuld stehen. Ohne Änderungen am Gesundheitssystem und dem Eingestehen der Politik über ihr eigenes Versagen über Jahrzehnte, wird die Pflege ansonsten den radikalen Schritt wählen: Pflexit. Und zwar nicht ein paar wenige, sondern eine breite Masse. Auch geburtenstarke Jahrgänge gehen bald in Rente, der Nachwuchs ist rar. Die Uhr tickt!

Quelle • Internet • Facebook • Urheber © Text Stefan Heyde